Chronik

Männergesangverein Idensen e.V. von 1896

Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede!


(Sängerspruch)


Chronik

Autor: Hans-Jürgen Günther †

 

Der Gründungstag des Männergesangverein Idensen dürfte der 20. Februar 1896 sein. Die ersten Anfänge reichen jedoch in das Jahr 1895 zurück.

 

 

Es war im November 1895 als sich in der damaligen Kellerstube der Gastwirtschaft Bicknäse (später Gaststätte Matthias – heute unser Dorfplatz) sieben sangesfreudige Männer trafen, um den Grundstein für einen Chor zu legen.

 

 

Der Bauer August Dühlmeyer führte das Wort und man beschloß, nach den Weihnachtsfeiertagen, also im neuen Jahr 1896, mit dem Singen zu beginnen.

 

 

Als erster Vereinsvorsitzender wurde Wilhelm Grages gewählt, ihm folgte später August Dühlmeyer. Chorleiter war Christoph Seegers, der zu den Übungsabenden mit der Eisenbahn von Barsinghausen nach Haste fuhr, um dann von dort zu Fuß, oftmals durch  Nacht und Regen, seinen Verein zu erreichen.

 

 

Man traf sich erstmals zum gemeinsamen Singen im Februar 1896. Es wurde bereits vierstimmig gesungen, lediglich der erste Tenor war total unterbesetzt. Der jugendliche Konrad Redecker eine Zeitlang den 1.Tenor alleine singen. Zur Festigung der Stimmen wurde an jedem Übungsabend 1 Liter Schnaps aus der Vereinskasse bewilligt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als erstes wurde „Schäfers Sonntagslied“ zur Violine des Chorleiters Seegers eingeübt. Dieses Vaterlandslied stand überall im deutschen Chorwesen ganz oben.

 

 

Ab 1898 wurden die Übungsabende im Bicknäseschen Hause Nr. 12 (heute Sportplatz) abgehalten. Man saß recht gemütlich in der großen Dielenstube zusammen. Nach dem Singen nahmen alle am großen Tisch Platz, um über alles Mögliche zu diskutieren. Ein Liter Schnaps kostete damals 75 Pfennig und die Zigarre 5 Pfennig. Das war deren Luxus damals. Rauchte ein Sänger mal 2 Zigarren, so galt es schon als verschwenderisch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 8. Mai 1898 besuchte der Verein zum ersten Mal ein Sängerfest außerhalb des Ortes. Es ging im geschmückten Leiterwagen zur Fahnenweihe nach Mardorf. Begleitet von den Ehefrauen fuhr man über Rehren, Ottensen, Sachsenhagen, Winzlar, Rehburg nach Mardorf, wo man bei herrlichem Wetter einen tollen Tag verbrachte. Erst gegen Mitternacht erreichte man wieder Idensen. 1899 versuchte man sich auch im Theaterspielen auf der Bicknäseschen Diele. Es wurde das Stimmungsstück „Letzte Hose, die mich schmückte“ uraufgeführt. Anschließend wurde zu einer 5-Mann Kapelle getanzt, der Eintritt betrug 1 Mark.

 

 

Die alte Zeit hatte aber auch ihre Sorgen, denn „Preußen“ und „Welfen“ vertrugen sich in vorgerückter Stunde nach dem Genuß geistiger Getränke nicht immer friedvoll. Es kam öfters zu Schlägereien. Spannungen gab es zu Hauf immer wieder zu „Kaisers Geburtstag“ am 27. Januar. Hängte zum Beispiel Förtmanns Schuster (Unter den Linden 7) herausfordernd seine schwarz-weiß-rote Fahne heraus, so schmückte im Gegensatz hierzu der welfisch eingestellte August Dühlmeyer sein Haus (Unter den Linden 4) mit einer langen Stange, an deren Ende wenig respektierliche Dinge befestigt waren. Natürlich mußte die Polizei die ungesetzliche "Fahne“ entfernen.

Heute sind die Sänger nicht mehr so abenteuerlustig, eher etwas ruhiger. Das mag an der Vorherrschaft der „Senioren“ liegen, das Durschnittsalter der heutigen Sänger liegt jenseits der Rentnergrenze. Um den Nachwuchs macht sich der Verein deshalb mächtig Sorgen.

 

 

Fahne und Fahnenweihe

 

Am 25.Mai 1902 erhielt der Männergesangverein eine Vereinsfahne, die mit einem schönen Fest und befreundeten Sängern gefeiert wurde. Die Kosten für die Fahne betrugen 200 RM.

 

 

Vereinsleben vor dem ersten Weltkrieg

 

 

1908 fand das erste Sängerfest in Idensen statt. Dem Ereignis angemessen, die Sänger im schwarzen Anzug, weißem Hemd und weißem Einstecktuch und die Ehrenfrauen ganz in weiß. Gut zu erkennen auf dem Foto stehend rechts der Tafelmeister mit seinem Tablett, um die immer durstigen Kehlen der Sänger tu erfrischen. Das Bild zeigt neben dem Chorleiter 37 Sänger, für damalige Zeiten eine beachtliche Anzahl, zumal  Idensen 1908 etwa 450 Einwohner hatte.

 

 

1911 konnte man das zweite Sängerfest anläßlich des 15jährigen Bestehens feiern. Die Mitgliederzahl nahm stetig zu. Es folgten viele Auftritte bei Hochzeiten jeglicher Art sowie Geburtstagen.

 

Der Weltkrieg 1914 –1918 brachte das Lied auch in unserem Verein zum Verstummen, das Vereinsleben ruhte bis 1919. Acht treue Sänger kehrten nicht mehr zurück, andere waren verwundet und haben ihre Gesundheit geopfert. Diejenigen, die heimkehrten, fanden eine zerrissene Heimat vor.

 

 

1919 -1933

 

Ganz allmählich wurde wieder gesungen, wobei das Jahr 1921 eine erwähnenswerte Bedeutung hatte. Unser Verein beging das 25jährige Stiftungsfest mit einem großen Sängertreffen. Das Dorf war festlich geschmückt und auf dem Festplatz auf Bicknäses Weide (An der Sigwardskirche) konnten 21 Vereine mit über 800 Teilnehmern begrüßt werden. Unser Männergesangverein konnte hier mit 40 Sängern aufwarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Herbst 1923 kam die Inflation und alle Deutschen waren mit einem Mal Millionäre, auch der Männergesangverein. Erst ganz allmählich regenerierte sich das Vereinsleben. Man fuhr wieder mit geschmückten Leiter- und Kutschwagen zu den auswärtigen Sängerbällen. 1928 wurden 3 neue Schärpen,

 

 

1 Notentasche und eine neue Geldkassette für den Kassierer angeschafft. Der Jahresbeitrag betrug 3 Mark. Der Vereinsbote sammelte die Beiträge ein, wofür er beitragsfrei blieb und oben drauf eine Mark extra bekam. 1930 wurden 20 neue Lieder angeschafft und die Anzahl der aktiven Sänger betrug 37.

 

1933 – 1945

 

 

Die diktatorische Staatsführung ab 1933 wirkte sich auch auf unseren Verein aus. So mußte z.B. bei der Liedauswahl auf das bestehende Regime Rücksicht genommen werden. Ab 1934 hieß es nicht mehr 1.Vorsitzender sondern „Vereinsführer“. Er wurde auch nicht mehr von den Mitgliedern gewählt, sondern laut Verfügung der Reichsregierung bestimmt. Die weiteren Vorstandsmitglieder  wurden dann vom Vereinsführer den Mitgliedern  vorgeschlagen mit dem Hinweis, ob der Vorstand das Vertrauen des Vereins hat, was von der Versammlung mit „Ja“ zu beantworten war. So war es damals in dieser Zeit. 1936 fand das 40jährige Stiftungsfest statt. Die auswärtigen Vereine wurden in Idensen empfangen und gaben Proben ihres Könnens ab. Gesungen wurden nur die vorgeschriebenen Lieder. 1939 wurde letztmalig ein Wintervergnügen durchgeführt. Von 1942 bis 1947 ruhte die Vereinstätigkeit, es war kein Singen mehr möglich. 11 Sangesbrüder mußten sich der Heimat opfern. Wenige kamen in den folgenden Jahren aus der Gefangenschaft zurück.

 

1945 – 1951

Neubeginn mit Chorleiter Christoph Haase

 

 

Nach dem Krieg war den Idensern nicht der Sinn danach, Lieder zu singen.

Von den „Alten“ waren nur 18 Sänger übriggeblieben. Es kamen 15 neue Mitglieder hinzu. 1948 wurde die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg unter dem Vorsitz von Fritz Behrens abgehalten. Eine neue Vereinssatzung wurde erarbeitet und der Mitgliedsbeitrag auf  6 DM  pro Jahr festgelegt. Christoph Haase, der den Chor bereits 1938 –1939 führte, nahm 1947 seine Dirigententätigkeit wieder auf und beendete diese Tätigkeit aufgrund einer schweren Krankheit 1952. Christoph Haase verstand es immer wieder, durch viel Geschick und Engagement den Chor in sich zu festigen.

Zum Liedgut gehörten 23 Lieder.

 

1951 – 1968

Johannes Philipp übernimmt den Dirigentenstab

 

 

Nachdem der erkrankte Christoph Haase 1951 für immer den Taktstock niederlegte, übernahm der Hauptlehrer Johannes Philipp den Posten des Chorleiters. Mit künstlerischem Empfinden, pädagogischem Weitblick und väterlicher Liebe verstand er es, die Sänger für sich zu gewinnen.

Es wurden neue Verbindungen angestrebt und ausgebaut sowie an Veranstaltungen und Sängerfesten außer- und innerhalb Idensens teilgenommen. 1957 feierte man das 60jährige Jubiläum. Viele Vereine erschienen und belebten unser schönes Dorf. Der MGV Idensen wartete mit einer Erstaufführung auf: Johannes Philipp schrieb und komponierte das „Idenser Lied“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Jubiläumskonzert war sicherlich ein Höhepunkt im musikalischem Leben des Vereins und seines Dirigenten Philipp. Am 2.Oktober 1968 verstarb unerwartet unser Chorleiter und Bürgermeister des Ortes Herr Philipp. Der Chor sang als letzten Gruß das „Feierabendlied“, das Lied seiner sächsischen Heimat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1969 – 1985

Sangesbruder Egbert Kruschinski übernimmt die Stabführung

 

 

Nach dem Tode von Herrn Philipp übernahm der Sangesbruder Egbert Kruschinski den Taktstock bis zum Jahre 1985. Er ging mit jugendlichem Elan und Ehrgeiz an seine neue Aufgabe. Es wurden neuzeitliche und moderne Lieder eingeübt, die er mit uns immer auf seiner Trompete vorspielte. Viele neue Sänger scharrten sich um ihn und verstärkten den Chor erheblich. Das 75jährige Bestehens im Jahre 1971 war ein Höhepunkt für alle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgte am 24.03.1979 der erste große, öffentliche Auftritt in der Kirche zu Idensen. Die Kirche platzte aus allen Nähten, es mußten sogar in den Gängen Stühle plaziert werden.

1980 wurde eine Schallplatte aufgenommen, ebenso feierte das Dorf Idensen sein 850jähriges Ortsjubiläum. Alle Vereine des Dorfes beteiligten sich. Es war eine Festwoche, an der sich das ganze Dorf gerne zurückerinnert. In diesem Jahr hatte der Gesangverein 27 Auftritte und wurde weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt, beliebt und zu einem Begriff. 1982 wurde die neue Sängerfahne geweiht. Die alte Fahne hat uns 80 Jahre bei unzähligen Ereignissen begleitet. Sie wurde restauriert und hat einen ihr genehmen Platz bekommen. Fortan begleitet uns die neue Fahne. 1983 folgte eine tolle Attraktion, als eine Musikkapelle aus Leutasch nach Idensen kam. Die Unterbringung und Beköstigung dieser doch recht großen Kapelle erfolgte privat bei den Sängerfamilien und jeder im Ort erinnert sich gerne an diese Trachtenkapelle.

 

1985 - heute

unser „Künstler“ Vasile Wille-Munteanu ist Chorleiter

 

 

Seinem hohen musikalischen Wissen, gepaart mit viel Gespür für die Feinheiten im Gesang ist es zu verdanken, daß der MGV Idensen zu einem der namhaftesten ländlichen Chöre im westlichen Hannoverland  emporstieg.

Das bisher Aufgebaute blieb bestehen, hinzu kamen feurige Lieder aus dem rumänisch/ungarischen Liedgut. Das den Aktiven Sängern die ganze Sache Spaß macht kann man daran erkennen, daß an den Übungsabenden immer über 30 Sänger anwesend sind.

Es folgten Konzertreisen im In- und Ausland und wir konnten unser Können unter Beweis stellen. Die erste große Bewährung unter Herrn Wille-Munteano erfolgte 1986 im Stadttheater Wunstorf. Das Konzert stand unter dem Motto „Schaumburger Land zu Gast in Wunstorf“. Ein gut vorbereitetes Programm begeisterte die Zuhörer. Ein weiteres Konzert „Von der Pußta möchte ich träumen“ war 1987 ein ganz großer Erfolg und zugleich Generalprobe für die anstehenden Auslandsreisen. 1988 gab der Verein drei Konzerte in Ungarn. Diese Reise bleibt unvergessen. 1989 wiederum ein Konzert im Stadttheater Wunstorf unter dem Titel „Was eine Frau im Frühling träumt“.

1990 führte die zweite Auslandsreise nach Prag. 1991 verschönten wir erstmals das Hafenkonzert in Idensen und gaben ein herrliches Konzert im Stadttheater Wunstorf unter dem Titel „Berlin, Berlin“. Es folgten weitere Konzertreisen und Auftritte in Bad Schönborn, ein Auftritt beim Hubertusball im Kuppelsaal der Stadt Hannover, Mitgestaltung eines Benefizkonzertes in der Marktkirche Hannover sowie viele Auftritte bei Freundschaftssingen und Hochzeiten im Umkreis. 1996 feierten wir das 100jährige Bestehen, so wie es sich zu einem solchen Geburtstag gehört. Eine Blaskapelle aus Schongau gab den richtigen Rahmen für ein solches Fest. Dem MGV Idensen wurde die Zelterplakette verliehen, eine hohe Auszeichnung.

 

 

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